Redebeitrag laDIYfest 8. März-Demo 2018 in Kiel

Hier kommt endlich unser Redebeitrag von der 8. März Demo:
Make Feminism A Threat Again – Für einen grenzenlosen Feminismus!

Liebe Freund_innen, liebe Genoss_innen, liebe Mitdemonstrant_innen –

Letztes Jahr waren wir wütend. Wir sind es immer noch!

Wütend, dass wir den größten Teil unserer Rede aus dem letzten Jahr fast haargenau heute wieder vortragen könnten.

Als Feminist_innen wird uns immer gesagt, wir sollen doch bitte „positiver“ eingestellt sein. Nicht immer „so viel dagegen“. Wir sollen nicht so „anti“ sein. Wir sollen nicht so „wütend“ sein. Nicht so „aggressiv“. Der Aufruf zu der diesjährigen feministischen Kampftagsdemo hat eine absurde Debatte über die „zu aggressiven“ Formulierungen des Aufrufes geführt. Ich fasse es nicht. In was für Zeiten leben wir eigentlich?

Uns wird immer und immer wieder gesagt, wie wir sein sollen und wie wir nicht sein sollen.

Aber wisst ihr was!? Wir sind verdammt wütend. Wir sind aggressiv! Und wir haben auch allen Grund dazu.

Mich macht es aggressiv, wenn rechts-konservative mir Tipps geben, wie ich mich vor Übergriffen schützen kann – und sich dabei rassistischer Rhetoriken bedienen.

Es macht mich aggressiv, dass mein Körper und mein Aussehen ständig bewertet werden und dem männlichen Blick gefallen sollen. Ich bin schön, so wie ich mich gut fühle!

Mich macht es aggressiv, dass Menschen, die Opfer von sexualisierter Gewalt werden immer noch gesagt wird, sie hätten selbst Schuld, sie müssten sich doch „nur“ wehren, anstatt potentiellen Täter_innen zu erklären, wie sie sich nicht übergriffig verhalten und was „Konsens“ bedeutet.

Hashtag #metoo hat wieder einmal bewiesen, wie viel noch schief läuft. Es ist rein gar nichts in Ordnung und es macht mich aggressiv, dass jede dritte Frau Opfer von sexualisierter Gewalt wird und dass Freund_innen diese Erfahrung machen mussten.

Es macht mich aggressiv, dass so viel Gewalt in Paarbeziehungen und Familien geschieht, dies jedoch verschwiegen wird und damit unsichtbar bleibt.

Antifeminist_innen machen mich aggressiv! An der Uni Kiel sind die Trolle auf einige der Organisator_innen dieser Demo losgegangen. Das tolerieren wir nicht! Wir werden Seite an Seite mit unseren Verbündeten gegen Antifeminismus kämpfen. Wir lassen nicht zu, dass die AFD und andere rechts-konservative Spinner_innen unsere Ideale in Frage stellen und das Leben von Menschen weiterhin bedrohen. Hört ihr das! Wir werden niemals aufhören gegen euch zu kämpfen.

Es macht mich aggressiv, dass meinen trans* Freund_innen ihre Geschlechtsidentität abgesprochen wird und Kämpfe für die Anerkennung jedes Geschlechts marginalisiert werden. Es macht mich aggressiv, dass dies auch in Kiel in unseren feministischen Kreisen passiert und es macht mich wütend und nachdenklich, dass wir nicht in der Lage waren darauf angemessen und unterstützend zu reagieren.

„Mich macht aggressiv, dass rechtsextreme Gewalt zunimmt, und sie noch immer gesellschaftlich verharmlost und nicht oft genug thematisiert wird!“
Racial Profiling durch die Polizei macht mich aggressiv!

Es macht mich aggressiv, dass Frauen im Durchschnitt immer noch 22 Prozent weniger verdienen als Männer und außerdem immer noch den Großteil der schlecht bezahlten Lohnarbeit und der gar nicht bezahlten Arbeit in der Pflege, im Haushalt und in der Kinderbetreuung leisten.

Es macht mich aggressiv, dass rechts-konservative Parteien Frauen das Recht auf Abtreibung verbieten wollen, nicht nur in Deutschland, aber auch in Polen oder in den USA. Und es sind meist Männer, die über die Körper von Frauen bestimmen wollen. Wir solidarisieren uns mit den Frauen in Polen, die gerade Tag für Tag ihren Kampf gegen Abtreibungsverbote auf die Straßen tragen!

Es macht mich aggressiv, dass Menschen auf der ganzen Welt und insbesondere im Globalen Süden in schlecht bezahlten, menschenunwürdigen Arbeitsverhältnissen ausgebeutet werden. Es macht mich aggressiv, dass wir in einem Konsumkapitalismus leben, der nur aufgrund von Ausbeutung funktioniert! Und es macht mich aggressiv, dass davon meist Kinder und FLTI*s betroffen sind.

Und jetzt sagt uns noch mal, dass das keine guten Gründe sind, aggressiv zu sein.

Unsere Wut ist noch lange nicht genug!

Genau deshalb sind wir heute hier. Heute mit unserem Bündnis zum 8. März und darüber hinaus über jahrelange kontinuierliche feministische Arbeit in Kiel, leisten wir einen kleinen Beitrag im internationalen Kampf für feministische Forderungen.

Heute tragen wir gemeinsam unsere Wut über die herrschenden patriarchalen und nationalistischen Zustände auf die Straße. Wir wandeln unsere Wut in Energie um und bringen sie laut zum Ausdruck.

Es braucht immer soziale Bewegungen um etwas zu ändern. Und wir sind heute, mit der feministischen Kampftagsdemo, Teil einer internationalen sozialen Bewegung. Wir stehen Seite an Seite mit unseren Freund_innen und Mitstreiter_innen, die heute weltweit, von Peru bis Russland, für ihre Rechte kämpfen gegen Patriarchat und Nationalismus. Unser Feminismus ist international solidarisch, denn unser Kampf kann nicht einzeln betrachtet werden. Wir sind nicht alleine.

Den internationalen Frauen*kampftag gibt es schon seit mehr als 100 Jahren und unsere Vorgänger_innen haben schon Einiges für uns erreicht. Aber wir müssen weiterkämpfen: Gegen den Nationalismus, der uns um die Ohren fliegt. Gegen Rassismus und Antisemitismus. Gegen den alltäglichen Sexismus, die Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit und die Trans*und Inter*feindlichkeit die uns und unsere Freund_innen jeden Tag belasten. Gegen den Sozial-Chauvinismus, der Menschen in wertvoll und nicht wertvoll unterteilt. Wir kämpfen für Emanzipation und weigern uns, rückwärtsgewandte Politik zu akzeptieren.

Auch dieses Jahr haben Menschen gezeigt, was sie in kurzer Zeit auf die Beine stellen können. Wir kämpfen heute hier zusammen für das schöne Leben für ALLE. Und für nichts weniger als das.

Vielen Dank!


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