laDIYfest-Redebeitrag Women*s Mach Kiel 2017

Wow. Das war eine umwerfende Demo! Unser Bündnis in Kiel mit 25 Bündnispartner*innen hat tatsächlich mehr als 800 Menschen zum Frauen*kampftag auf die Straße geholt. Wir applaudieren allen, die dabei waren. Dem kämpferischen FLTI* Blog, der richtig Alarm gemacht hat! Allen Menschen, die den Women*s March Kiel für Internationale Solidarität statt Patriarchat und Nationalismus organisiert, mitgestaltet und daran teilgenommen haben <3 Gestern haben wir alle zusammen ein Zeichen gesetzt. Und wir freuen uns auf viele weitere Aktionen mit allen Menschen, die mit dabei waren.
Keine Macker und Sexisten – Fight the Power, Fight the System!

Hier noch mal alle Redebeiträge zum Nachlesen. Es war ein toller Tag mit euch <3

Hier der laDIYfest Redebeitrag zum Nachlesen:

laDIYfest Rede – Women*s March Kiel
Liebe Freund*innen, liebe Genoss*innen, liebe Mitdemonstrant*innen -
Wir sind wütend!
Als Feminist*innen wird uns immer gesagt, wir sollen doch bitte „positiver“ eingestellt sein. Nicht immer „so viel dagegen“. Wir sollen nicht so „anti“ sein. Wir sollen nicht so „wütend“ sein. Nicht so „aggressiv“.
Uns wird immer und immer wieder gesagt, wie wir sein sollen und wie wir nicht sein sollen.
Aber wisst ihr was!? Wir sind verdammt wütend. Und wir haben auch allen Grund dazu.
Ich bin wütend, weil mir Tipps gegeben werden, wie ich mich vor Übergriffen schützen kann – anstatt potentiellen Täter*innen zu erklären, wie sie sich nicht übergriffig verhalten und was „Konsens“ bedeutet.
Ich bin wütend, weil jede dritte Frau Opfer von sexualisierter Gewalt wird und dass Freund*innen diese Erfahrung machen mussten.
Ich bin wütend, weil so viel Gewalt in Paarbeziehungen und Familien geschieht, jedoch verschwiegen wird und damit unsichtbar bleibt.
Ich bin wütend, weil Feminismus als „Sonder“– oder „Luxus“-Problem belächelt wird – aus weißer männlicher privilegierter Sicht ist das natürlich leicht zu sagen.
Ich bin wütend, weil mein Körper und mein Aussehen ständig bewertet werden und dem männlichen Blick gefallen sollen.
Ich bin wütend, weil meinen trans* Freund_innen ihre Geschlechtsidentität abgesprochen wird und Kämpfe für Anerkennung jedes Geschlechts marginalisiert werden.
Ich bin wütend über rassistische Diskriminierung und Gewalt und dass Nazis meinen Freund*innen verbieten wollen in Freiheit zu leben und ihr Leben bedrohen.
Ich bin wütend, weil Frauen im Durchschnitt immer noch 22 Prozent weniger verdienen als Männer. Sie leisten außerdem immer noch den Großteil der schlecht bezahlten Lohnarbeit und der gar nicht bezahlten Arbeit in der Pflege, im Haushalt und in der Kinderbetreuung.
Ich bin wütend, weil unsere muslimischen Freund*innen pauschal verurteilt werden und sogenannte muslimische Gefährder*innen eine Fußfessel tragen sollen, während die größte Gefahr in Deutschland von Rechts droht. Der Terror des NSU, der 2011 öffentlich bekannt wurde und 3.500 rechtsextreme Angriffe im Jahr 2016 beweisen das. Das sind zehn Angriffe von Rechts pro Tag im Jahr 2016. Da werden Flüchtlingsheime angezündet. Menschen misshandelt. Verprügelt. Getötet. Bespuckt. Wie Dreck behandelt. Und zwar von Nazis. In Deutschland wird immer mit zweierlei Maß gemessen.
Ich bin wütend, weil meine lesbischen und schwulen und trans* Freund*innen immer noch nicht heiraten können und Familie immer noch als eine sogenannte „Normal-Familie“, bestehend aus „Vater, Mutter, Kind“ propagiert wird, sowohl von der AfD als auch von der Bundeskanzlerin.
Ich bin wütend über Racial Profiling durch die Polizei. Dass zum Beispiel an Silvester unsere Freunde am Kölner Bahnhof pauschal der sexuellen Belästigung beschuldigt wurden, weil sie in ein rassistisches Schema gepresst wurden, und dass Politik und Polizei ungestraft damit durchgekommen sind.
Ich bin wütend, weil rechte Parteien Frauen das Recht auf Abtreibung verbieten wollen, nicht nur in Deutschland, aber auch in Polen oder in den USA. Und es sind meist Männer, die über die Körper von Frauen bestimmen wollen und glauben, es stünde ihnen zu.
Ich bin wütend, dass Menschen auf der ganzen Welt und insbesondere im Globalen Süden in schlecht bezahlten, menschenunwürdigen Arbeitsverhältnissen ausgebeutet werden. Häufig sind davon vor allem Kinder und Frauen betroffen.

Und jetzt sagt uns noch mal, dass das keine guten Gründe sind, wütend zu sein.
Unsere Wut ist noch lange nicht genug!
Genau deshalb sind wir heute hier. Wir wissen, dass wir heute nur einen kleinen Beitrag leisten können, innerhalb eines internationalen Kampfes. Aber das macht unsere heutige Demonstration nicht weniger wichtig. Heute tragen wir gemeinsam unsere Wut über die herrschenden patriarchalen Zustände auf die Straße. Wir wandeln unsere Wut in Energie um und bringen sie laut zum Ausdruck. Es braucht immer soziale Bewegungen um etwas zu ändern. Und wir sind heute, mit dem Women*s March Kiel, Teil einer internationalen sozialen Bewegung. Wir stehen Seite an Seite mit unseren Freund*innen und Mitstreiter*innen, die heute weltweit, von Peru bis Russland, für ihre Rechte kämpfen gegen Patriarchat und Nationalismus. Wir solidarisieren uns heute international, denn unser Kampf kann nicht einzeln betrachtet werden. Wir sind nicht alleine.
Den internationalen Frauen*kampftag gibt es schon seit mehr als 100 Jahren und unsere Vorgänger*innen haben schon Einiges für uns erreicht. Aber wir müssen weiterkämpfen: Gegen den Nationalismus, der uns um die Ohren fliegt. Gegen Rassismus und Antisemitismus. Gegen den alltäglichen Sexismus, die Homophobie und die Transphobie die uns und unsere Freund*innen jeden Tag belasten. Gegen den Sozial-Chauvinismus, der Menschen in wertvoll und nicht wertvoll unterteilt. Wir kämpfen für Fortschritt und weigern uns, rückwärtsgewandte Politik zu akzeptieren.
Dieses Bündnis hat gezeigt, was Menschen in kurzer Zeit auf die Beine stellen können. Wir kämpfen heute hier zusammen für das schöne Leben für ALLE. Und für nichts weniger als das.
Denn damit das Mögliche entsteht muss immer wieder das Unmögliche versucht werden.
Vielen Dank.


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